
Zielgerichtete Therapien (targeted therapy) richten sich gegen bestimmte biologische Merkmale oder Vorgänge einer Krebszelle und verhindern damit ganz gezielt das Wachstum der Tumorzelle.
Zielgerichtete Therapien (targeted therapy) haben die Krebsbehandlung „revolutioniert“: Sie greifen möglichst präzise an bestimmten biologischen Eigenschaften oder Vorgängen der Tumorzellen an und belasten Patientinnen normalerweise weniger. Ob bei Brust-, Lungen- oder Darmkrebs - der Einsatz dieser modernen Medikamente setzt eine genaue Analyse des Tumors voraus. Erfahre hier, welche Angriffspunkte diese Therapien nutzen und welche spezifischen Nebenwirkungen sie mit sich bringen können!
Ob eine zielgerichtete Therapie für eine Patientin infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, beispielsweise:
Die Wirkstoffe sind als Tabletten, Infusion oder Spritzen zur Injektion unter die Haut verfügbar. Sie werden in manchen Fällen als alleinige Therapie und in anderen Fällen in Kombination mit anderen Therapien verordnet.
Wann kann eine zielgerichtete Therapie eingesetzt werden?
Der Tumor muss die Zielstruktur aufweisen, gegen die sich das jeweilige Medikament richtet, d. h. der Tumor muss zunächst charakterisiert werden. Dafür wird Tumorgewebe bei den Patientinnen entnommen (Biopsie), das dann unter dem Mikroskop oder mit speziellen molekularbiologischen Methoden untersucht wird.
Wenn der Tumor Eigenschaften aufweist, die mit einem zugelassenen zielgerichteten Medikament behandelt werden können, kann die Therapie beginnen.
Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien
Auch zielgerichtete Therapien können Nebenwirkungen verursachen, betroffen sind:
Da viele Wirkstoffe neu sind und noch nicht so viele Erfahrungswerte vorliegen wie bei Chemo- oder Strahlentherapien, sollten Patient:innen gut auf Veränderungen während der Therapie achten und diese direkt mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin ansprechen.
Welche Angriffspunkte haben zielgerichtete Therapien?
Zielgerichtete Therapien können unterschiedliche Angriffspunkte haben:
Nachfolgend einige ausgewählte Prinzipien, auf denen zielgerichtete Therapien basieren:
Damit eine Zelle wächst, benötigt sie Informationen von Wachstumsfaktoren. Diese Wachstumsfaktoren können auf unterschiedlichen Wegen gehemmt werden:
Damit Zellen wachsen können, benötigen sie Sauerstoff und Nährstoffe, die über Blutgefäße transportiert werden. Tumorzellen können die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregen und so die Versorgung und das Wachstum der Krebszellen fördern. Zielgerichtete Medikamente können diese Neubildung von Blutgefäßen hemmen.
Ein Beispiel für solche Angiogenesehemmer ist Bevacizumab (bei Brust- und Darmkrebs) oder Sunitinib (bei Nierenkrebs).
Tumorzellen können durch zielgerichtete Therapien so markiert werden, dass der Körper sie als „fremd“ erkennt und Mechanismen zur Zerstörung eingeleitet werden. Ein Beispiel dafür ist Atezolizumab, das bei fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Brustkrebs eingesetzt wird.
Ein Sonderfall sind die Immun-Checkpoint-Hemmer, die sich gegen körpereigene „Bremsen“ im Immunsystem richten und so eine Immunantwort durch Tumorzellen verhindern. Ein Beispiel dafür sind Antikörper wie Ribociclib, das bei Brustkrebs mit hohem Rückfallrisiko eingesetzt wird, oder Ipilimumab beim schwarzen Hautkrebs.
Die Entwicklung zielgerichteter Therapien geht kontinuierlich voran. Wichtig ist, dass mit jeder Patientin genau besprochen wird, welche Therapie zum Tumor, dem Krankheitsverlauf und der persönlichen Situation passt.
Mögliche Nebenwirkungen sollten immer mit angesprochen werden. Zur Verarbeitung der Gesamtsituation wird eine psychoonkologische Begleitung empfohlen.
Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt und unter Einbeziehung von Expert:innen erstellt. Er kann einen Überblick bieten, ist jedoch nicht geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Dr. Nina Bock
Chefärztin der Gynäkologie der AMEOS Reha Klinik Ratzeburg und Leiterin des zertifizierten Endometriosezentrums.
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