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Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien, wie z. B. Immuntherapie

Zielgerichtete Therapien (targeted therapy) richten sich gegen bestimmte biologische Merkmale oder Vorgänge einer Krebszelle und verhindern damit ganz gezielt das Wachstum der Tumorzelle.

28.1.2026
Expertenbeitrag

Zielgerichtete Therapien (targeted therapy) haben die Krebsbehandlung „revolutioniert“: Sie greifen möglichst präzise an bestimmten biologischen Eigenschaften oder Vorgängen der Tumorzellen an und belasten Patientinnen normalerweise weniger. Ob bei Brust-, Lungen- oder Darmkrebs - der Einsatz dieser modernen Medikamente setzt eine genaue Analyse des Tumors voraus. Erfahre hier, welche Angriffspunkte diese Therapien nutzen und welche spezifischen Nebenwirkungen sie mit sich bringen können!

Ob eine zielgerichtete Therapie für eine Patientin infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, beispielsweise: 

  • von der Tumorart, 
  • vom Krankheitsstadium, 
  • von den biologischen Merkmalen der Krebszellen.

Die Wirkstoffe sind als Tabletten, Infusion oder Spritzen zur Injektion unter die Haut verfügbar. Sie werden in manchen Fällen als alleinige Therapie und in anderen Fällen in Kombination mit anderen Therapien verordnet.

Wann kann eine zielgerichtete Therapie eingesetzt werden?

Der Tumor muss die Zielstruktur aufweisen, gegen die sich das jeweilige Medikament richtet, d. h. der Tumor muss zunächst charakterisiert werden. Dafür wird Tumorgewebe bei den Patientinnen entnommen (Biopsie), das dann unter dem Mikroskop oder mit speziellen molekularbiologischen Methoden untersucht wird.

Wenn der Tumor Eigenschaften aufweist, die mit einem zugelassenen zielgerichteten Medikament behandelt werden können, kann die Therapie beginnen.

Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien

Auch zielgerichtete Therapien können Nebenwirkungen verursachen, betroffen sind: 

  • Haut, Haare und Nägel, 
  • das Herz, 
  • der Blutdruck, 
  • die Leber, 
  • der Magen-Darm-Trakt.

Da viele Wirkstoffe neu sind und noch nicht so viele Erfahrungswerte vorliegen wie bei Chemo- oder Strahlentherapien, sollten Patient:innen gut auf Veränderungen während der Therapie achten und diese direkt mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin ansprechen.

Welche Angriffspunkte haben zielgerichtete Therapien?

Zielgerichtete Therapien können unterschiedliche Angriffspunkte haben: 

  • Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzelle,
  • Botenstoffe, die Signale an Krebszellen übertragen, 
  • Signalwege in der Krebszelle, die unterbrochen werden.

Nachfolgend einige ausgewählte Prinzipien, auf denen zielgerichtete Therapien basieren:

  • Hemmstoffe des Zellwachstums

Damit eine Zelle wächst, benötigt sie Informationen von Wachstumsfaktoren. Diese Wachstumsfaktoren können auf unterschiedlichen Wegen gehemmt werden: 

  • Blockade von Rezeptoren auf der Zelloberfläche durch sogenannte Antikörper. Ein Beispiel dafür ist Trastuzumab. Dieser Antikörper richtet sich gegen den Wachstumsrezeptor HER2, der bei einem Teil der Patientinnen mit Brustkrebs verstärkt ausgebildet wird. 
  • Rezeptoren im Zellinneren blockieren durch sogenannte Kinasehemmer. Beispiele dafür sind Gefitinib oder Erlotinib bei Lungenkrebs oder Sorafenib bei Leber, Schilddrüsen oder Nierenkrebs
  • Hemmstoffe der Blutgefäßbildung

Damit Zellen wachsen können, benötigen sie Sauerstoff und Nährstoffe, die über Blutgefäße transportiert werden. Tumorzellen können die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregen und so die Versorgung und das Wachstum der Krebszellen fördern. Zielgerichtete Medikamente können diese Neubildung von Blutgefäßen hemmen.

Ein Beispiel für solche Angiogenesehemmer ist Bevacizumab (bei Brust- und Darmkrebs) oder Sunitinib (bei Nierenkrebs).

  • Aktivierung der körpereigenen Abwehr: das Immunsystem auf den Tumor ansetzen

Tumorzellen können durch zielgerichtete Therapien so markiert werden, dass der Körper sie als „fremd“ erkennt und Mechanismen zur Zerstörung eingeleitet werden. Ein Beispiel dafür ist Atezolizumab, das bei fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Brustkrebs eingesetzt wird.

Ein Sonderfall sind die Immun-Checkpoint-Hemmer, die sich gegen körpereigene „Bremsen“ im Immunsystem richten und so eine Immunantwort durch Tumorzellen verhindern. Ein Beispiel dafür sind Antikörper wie Ribociclib, das bei Brustkrebs mit hohem Rückfallrisiko eingesetzt wird, oder Ipilimumab beim schwarzen Hautkrebs.

Die Entwicklung zielgerichteter Therapien geht kontinuierlich voran. Wichtig ist, dass mit jeder Patientin genau besprochen wird, welche Therapie zum Tumor, dem Krankheitsverlauf und der persönlichen Situation passt.

Mögliche Nebenwirkungen sollten immer mit angesprochen werden. Zur Verarbeitung der Gesamtsituation wird eine psychoonkologische Begleitung empfohlen. 

Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt und unter Einbeziehung von Expert:innen erstellt. Er kann einen Überblick bieten, ist jedoch nicht geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Autor
Autorin
Prüfer
Prüferin

Dr. Nina Bock

Chefärztin der Gynäkologie der AMEOS Reha Klinik Ratzeburg und Leiterin des zertifizierten Endometriosezentrums.

Mehr erfahren
Quellen:
  • Zielgerichtete Therapie gegen Krebs | DKFZ - Krebsinformationsdienst.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Krebsinformationsdienst: Zentrale Instanz zur Erklärung der molekularen Mechanismen und der verschiedenen Klassen von zielgerichteten Therapien.
  • S3-Leitlinie Supportive Therapie: Umfassende Empfehlungen zum Management der Nebenwirkungen, die durch zielgerichtete Therapien verursacht werden.
  • S3-Leitlinien zu spezifischen Tumorentitäten (z. B. Mammakarzinom, Melanom): Enthalten die konkreten Indikationen und Wirksamkeitsnachweise für die genannten Medikamente.
  • ONKO-Internetportal: Fachportal, das die Einsatzmöglichkeiten und Wirkprinzipien der Therapien erklärt.
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