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Chemobrain (Brain Fog) – was steckt dahinter?

Die belastende Krebserkrankung an sich, die anstrengende Behandlung, die schleichende Konzentrationsschwäche, der Gedächtnisverlust und der Gehirnnebel – kennst Du das auch?

30.12.2025
Expertenbeitrag

Du weißt vielleicht nicht mehr, wo Du Dein Auto geparkt hast, vergisst den Geburtstag eines geliebten Menschen oder „verlierst“ Deine Gedanken. Diese Erfahrungen können auf der einen Seite Deine Lebensqualität massiv beeinträchtigen und auf der anderen Seite verstärken sie das Gefühl, „anders” als vor der Diagnose zu sein. Diese Verwirrung und Vergesslichkeit tritt häufig im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung oder -Behandlung auf und hat sogar einen eigenen Namen: “Chemobrain” oder “Brain Fog".

Es gibt Wege, die Dir helfen können, die Beschwerden durch Chemobrain zu lindern und Deine Lebensqualität zu verbessern.

Du willst etwas sagen und merkst mitten im Satz, dass Du den Faden verloren hast? Du musst alles aufschreiben, weil Dir sonst der Einkaufszettel "entfallen" ist? Manche Patient:innen sagen sogar, dass sie nicht mehr „sie selbst seien, die Diagnose und Therapie sie völlig verändert haben“.

Dieses Phänomen hat seinen eigenen Namen: „Chemobrain” oder “Brain Fog“ und betrifft viele Menschen mit einer Krebserkrankung. Zu welchem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf und in welchem Umfang die Beschwerden auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich: von der Diagnose-Stellung über die Therapie bis hin zur Phase nach der Therapie.

Chemobrain erkennen: Die häufigsten Symptome im Überblick

Oft sind es viele kleine Veränderung, die Patient:innen Stück um Stück beeinträchtigen und dann in ihrer Gesamtheit zur Wahrnehmung führen "ich bin nicht mehr ich selbst und traue mir viele Dinge nicht mehr zu".

Schau Dir unsere Liste der häufigsten Symptome von Chemobrain an: 

  • Erinnerungslücken, 
  • Konzentrationsschwäche,
  • Vergesslichkeit (Wörter, Termine etc.),
  • Leichte Ablenkbarkeit beim Sprechen, Lesen, Zuhören,
  • Müdigkeit und Erschöpfung,
  • sich verloren fühlen,
  • Gehirnnebel,
  • Schwierigkeiten, den Alltag zu strukturieren und organisieren. 

Die Ausprägung dieser Beschwerden kann sehr unterschiedlich sein und die Beeinträchtigung durch die Patient:innen unterschiedlich belastend erlebt werden.

Fakt ist, die Beschwerden durch Chemobrain können den Alltag verändern, z. B. zum Rückzug, zur Abkehr von gesellschaftlichen Ereignissen oder zur verlangsamten Weidereingliederung etc. führen.

Wie entsteht Chemobrain (Brain Fog)?

Auch wenn die genaue Entstehung von Chemobrain noch nicht vollständig geklärt ist, gilt als gesichert, dass ein Zusammenspiel vieler Faktoren zum komplexen und vielschichtigen Beschwerdebild "Chemobrain" führt. Zu diesen Faktoren zählen u. a.:

  • der Tumor an sich – unabhängig vom betroffenen Organ,
  • die Diagnose und die damit verbundene körperliche und emotionale Belastung, 
  • die verschiedenen Therapien: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Hormontherapie, zielgerichtete Therapie, Immuntherapie, 
  • Begleitmedikation, z. B. Medikamente gegen Schmerzen oder auch Schlafmittel, 
  • Psychosoziale Faktoren, psychische Belastungen, chron. Müdigkeit, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Angst oder Depression sowie Antriebslosigkeit, 
  • hormonelle Veränderungen, 
  • Blutbildveränderungen wie vor allem ein erniedrigter Spiegel an roten Blutkörperchen.

Was kann man gegen Chemobrain tun?

Der erste Schritt ist, die Beschwerden, die unter dem Begriff Chemobrain zusammengefasst werden, wahrzunehmen und dann offen mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin zu besprechen. Sie kennen Deine Krankengeschichte und können gemeinsam mit Dir entscheiden, welche Maßnahmen für Dich in der jeweiligen Situation besonders hilfreich sein können, um die Beschwerden zu lindern, beispielsweise: 

  • kognitive Trainingsprogramme, 
  • Achtsamkeits-Programme, 
  • Bewegungstherapie, 
  • Entspannungsmethoden, 
  • psychoonkologische Begleitung, etc.

Achte auf Deinen Körper und Deine Seele, besprich Veränderungen mit Deinem Arzt/Deiner Ärztin und nutze alle zur Verfügung stehenden Angebote, um dem Chemobrain entgegenzuwirken!

Wie lange hält Chemobrain an?

Diese Frage kann für Patient:innen nicht einheitlich beantwortet werden. Sowohl der Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden als auch die Ausprägung und Dauer können sehr unterschiedlich sein (von Wochen bis Monate). In der Regel „verschwinden“ viele Symptome wieder. Wichtig ist es, die Beschwerden anzusprechen und Hilfestellungen in Anspruch zu nehmen, um die krankheitsbezogene Lebensqualität für sich zu verbessern.

Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt und unter Einbeziehung von Expert:innen erstellt. Er kann einen Überblick bieten, ist jedoch nicht geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Autor
Autorin
Prüfer
Prüferin

Dr. Nina Bock

Chefärztin der Gynäkologie der AMEOS Reha Klinik Ratzeburg und Leiterin des zertifizierten Endometriosezentrums.

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Quellen:
  • S3-Leitlinie Psychoonkologie: Federführend: DGHO, DKG, DGPPN) – Fundstelle: AWMF-Leitlinienregister / Leitlinienprogramm Onkologie.  
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Krebsinformationsdienst: Zentrale Instanz zur Erklärung des Phänomens und der Lösungsansätze. 
  • Klinische Publikationen aus der Psychoonkologie: z. B. der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum rechts der Isar der TU München, die in Deutschland zur Erforschung und Behandlung von Chemobrain maßgeblich sind.
Kennst Du jemanden, der das wissen sollte? Teile es gerne weiter!

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