
10 häufige Ernährungsfehler während einer Krebstherapie, die den Therapieerfolg beeinträchtigen können.
Ach die Ernährung... Wenn sie ausgewogen ist, kann sie eine wertvolle Unterstützung während einer Krebstherapie darstellen. Ein guter Ernährungszustand kann sich direkt auf den Behandlungserfolg auswirken. Doch was geschieht, wenn unsere Ernährungsweise nicht optimal ist? Dann hilft sie uns nicht nur nicht weiter – sondern sie kann uns sogar schaden. Während der Krebstherapie ist es besonders wichtig, den Körper ausreichend mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. In diesem Artikel findest Du die häufigsten Ernährungsfehler, die Du unbedingt vermeiden solltest.
Einer der Grundpfeiler einer ausgewogenen Ernährung ist Vielfalt. Doch während der Behandlung greifen viele Patient*innen immer wieder zu den gleichen, wenigen Lieblingsgerichten. Das kann jedoch schnell zum Nährstoffmangel führen.
Eine abwechslungsreiche Ernährung unterstützt das Immunsystem, fördert die Regeneration und hilft, den Körper in einem guten Zustand zu halten. So kannst Du mehr Abwechslung auf Deinen Teller bringen:
Eiweiß ist für Krebspatient:innen besonders wichtig, da ein Mangel den Gesundheitszustand und den Therapieerfolg beeinträchtigen kann. Es spielt eine zentrale Rolle beim Gewebeaufbau, bei der Hormon- und Enzymproduktion und bei der Funktion des Immunsystems. Es hilft auch, Medikamente dorthin zu transportieren, wo sie im Körper benötigt werden.
Während einer Krebserkrankung ist eine hohe Eiweißzufuhr wichtig, um den Erhalt und Aufbau von Muskelmasse und Körperzellen zu stützen, empfohlen werden pro Tag 1,2 g–1,5 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht.
Bei schwerem Stress, ausgeprägten Entzündungen und vorliegenden Infektionen kann der Bedarf sogar bei bis zu 2,0 g pro kg Körpergewicht liegen.
Für eine gute Eiweißversorgung ist nicht nur die Menge, sondern auch die biologische Wertigkeit entscheidend – also wie gut der Körper das Eiweiß in körpereigenes Eiweiß umwandeln kann.
Das gelingt mit tierischen Eiweißquellen wie Milchprodukten, Fleisch, Fisch oder Eiern. Auch pflanzliche Lebensmittel können eine hohe biologische Wertigkeit liefern, wenn sie geschickt kombiniert werden – zum Beispiel Getreide mit Hülsenfrüchten oder mit Samen, Saaten und Nüssen.
Wer sich pflanzlich oder vegan ernährt, sollte gezielt verschiedene Eiweißquellen kombinieren, um alle wichtigen Aminosäuren aufzunehmen.

Fette hatten lange Zeit einen schlechten Ruf, dabei sind sie für den Körper unverzichtbar – entscheidend ist die Qualität.
Gesunde ungesättigte Fettsäuren aus fettreichem Fisch, Nüssen, Samen, Avocados und hochwertigen Pflanzenölen wie Olivenöl, Rapsöl oder Leinöl sind besonders wertvoll. Krebspatient:innen sollten zudem auf eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren achten, da sie entzündungsmodulierend wirken und den Ernährungszustand unterstützen können.
Zudem liefern fettreiche Lebensmittel viele Kalorien in einer kleinen Menge – ideal für Zeiten, in denen der Appetit fehlt. Außerdem sichern sie die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K).
Süßigkeiten und stark verarbeitete Produkte gehören nicht zu einer gesunden Ernährung – erst recht nicht während einer Krebstherapie. Eine nährstoffarme Kost kann das Risiko für Mangelernährung erhöhen und den Therapieverlauf ungünstig beeinflussen.
Zuckerreiche Lebensmittel und stark verarbeitete Produkte liefern meist viele Kalorien, aber wenig wertvolle Nährstoffe. Ein hoher Konsum kann ungünstige Stoffwechselprozesse fördern und die allgemeine Gesundheit belasten.
Deshalb ist es ratsam, süße Getränke, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Fast Food und gesüßte Milchprodukte möglichst zu reduzieren und stattdessen auf vollwertige, nährstoffreiche Lebensmittel zu setzen.
Falls Du Lust auf etwas Süßes hast, wähle Alternativen mit einem höheren Nährwert, z. B. einen selbstgemachten Käsekuchen (als Eiweißquelle) oder Gebäck mit Saaten und Nüssen (reich an Kalzium, Eisen und Magnesium), anstatt zu einem Schokoriegel zu greifen.
Appetitlosigkeit ist eine häufige Begleiterscheinung einer Krebserkrankung. Weniger Mahlzeiten und kleinere Portionen können jedoch zu Nährstoffmängeln und Gewichtsverlust führen – was sich wiederum negativ auf die Therapie auswirken kann.
Wenn es dir schwer fällt, größere Mengen auf einmal zu essen, sind mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt (z. B. 5–7) eine gute Möglichkeit, den Körper dennoch ausreichend mit Kalorien, Eiweiß und anderen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Lege die Essenszeiten am besten in Phasen, in denen dein Appetit am größten ist oder Beschwerden geringer sind.
Zusätzlich kannst Du Deine Mahlzeiten mit kalorien- und nährstoffreichen Lebensmitteln anreichern – zum Beispiel mit Nüssen, Samen, pflanzlichen Ölen, Avocado, Käse oder cremigen Milchprodukten.
Eisen ist während der Krebstherapie besonders wichtig – vor allem, weil es für die Bildung roter Blutkörperchen benötigt wird. Ein Mangel kann zu Anämie, Müdigkeit und verminderter Belastbarkeit führen.
Der Körper kann Eisen aus tierischen Lebensmitteln (Häm-Eisen) deutlich besser aufnehmen als aus pflanzlichen Quellen (Nicht-Häm-Eisen). Die Aufnahme von Häm-Eisen liegt bei etwa 20 %, bei Nicht-Häm-Eisen nur bei 1–5 %.
Tierische Eisenquellen sind z. B. rotes Fleisch, Geflügel, Fisch und Innereien. Pflanzliche Lieferanten wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen oder grünes Blattgemüse sind ebenfalls wertvoll – ihre Aufnahme lässt sich verbessern, wenn sie mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln (z. B. Paprika, Zitrusfrüchte) kombiniert werden.
Wer bestimmte Lebensmittelgruppen meidet, sollte den Eisenstatus regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen, um einen Mangel früh zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Alkohol kann mit Medikamenten interagieren, die Schleimhaut des Verdauungstrakts schädigen und dadurch die Nebenwirkungen der Behandlung verstärken. Außerdem kann regelmäßiger Alkoholkonsum das Immunsystem schwächen, den Schlaf stören, das Risiko für Depressionen erhöhen, den Ernährungszustand verschlechtern und die Regeneration des Körpers negativ beeinflussen.
Die S3-Leitlinie empfiehlt während der Krebstherapie komplett auf Alkohol zu verzichten, da er den Therapieverlauf ungünstig beeinflussen und das Risiko für weitere Tumorerkrankungen erhöhen kann. Auch nach Abschluss der Therapie gilt: je weniger Alkohol, desto besser – am sichersten ist völliger Verzicht.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für den Körper unverzichtbar – besonders während einer Krebserkrankung. Trinkst du zu wenig, bleiben Medikamente und deren Abbauprodukte länger im Körper, was Nebenwirkungen unnötig verlängern kann.
Wasser ist außerdem essenziell für ein funktionierendes Immunsystem: Es unterstützt die Bildung von Lymphe, die den Körper vor Viren und Bakterien schützt. Anders gesagt – Wasser hält dein Immunsystem wie eine gut geölte Maschine am Laufen.
Bei einer Chemotherapie kann Dehydrierung Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel verstärken. Das Risiko steigt besonders bei Durchfall, Erbrechen, Fieber oder hohen Temperaturen – manchmal reichen schon wenige Stunden ohne ausreichende Flüssigkeit, um den Körper ernsthaft zu belasten.
Es ist empfehlenswert, die Trinkmenge individuell an Körpergewicht, Aktivität, Therapieform und Begleiterkrankungen anzupassen. Ein allgemeiner Orientierungswert liegt bei etwa 30–35 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (bei 70 kg → rund 2,1–2,45 Liter). Bei Flüssigkeitsverlust durch Fieber, Durchfall oder Erbrechen steigt der Bedarf.
Geeignete Getränke sind Wasser, ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees, verdünnte Fruchtsäfte oder klare Brühen. Stark zuckerhaltige Getränke und Alkohol sollten vermieden werden. Wichtig ist, die Flüssigkeit über den Tag verteilt zu trinken – nicht erst, wenn starker Durst einsetzt.
Zur geschmacklichen Abwechslung kannst Du frische Kräuter (z. B. Minze), Obststücke (z. B. Erdbeeren, Himbeeren oder Zitrone) oder Ingwer hinzufügen – letzterer kann zusätzlich Übelkeit lindern.
Vergiss nicht, eine Wasserflasche oder eine nachfüllbare Trinkflasche zur Chemotherapie mitzunehmen, damit Du jederzeit ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung hast.
Viele Patient:innen greifen während der Behandlung zu Nahrungsergänzungsmitteln und vernachlässigen dabei eine ausgewogene Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel sind in erster Linie für Menschen gedacht, die einzelne Nährstoffe ergänzen möchten, nicht als Ersatz für Mahlzeiten. Eine vollwertige, abwechslungsreiche Ernährung sollte stets die Basis der Nährstoffversorgung darstellen.
Zudem können Nahrungsergänzungsmittel gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten haben oder Nebenwirkungen verstärken. Auch hochdosierte Vitamin- und Mineralstoffpräparate können in bestimmten Fällen den Behandlungserfolg beeinträchtigen.
Deshalb sollte während einer Krebserkrankung jede Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit dem Behandlungsteam besprochen werden. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei nachgewiesenem Mangel oder auf ärztliche Empfehlung gezielt eingesetzt werden.
Fehlt die Zeit für das Zubereiten und Essen, steigt die Gefahr, zu nährstoffarmen oder stark verarbeiteten Lebensmitteln zu greifen oder Mahlzeiten ganz auszulassen. Das kann zu unzureichender Energiezufuhr, Gewichtsverlust und Mangelernährung führen.
Plane deshalb feste Essenszeiten ein und bereite – wenn möglich – Mahlzeiten oder Snacks vor, damit auch an stressigen Tagen eine ausgewogene Versorgung gewährleistet bleibt.
Deshalb ist es wichtig, sich bewusst Zeit für das Essen zu nehmen – ein Ritual zu schaffen, das achtsames Genießen ermöglicht.
Ebenso entscheidend sind regelmäßige und bedarfsgerechte Mahlzeiten, die an individuelle Beschwerden angepasst werden. Das bedeutet nicht nur, Lebensmittel zu meiden, die Beschwerden verstärken, sondern auch gezielt solche zu wählen, die sich positiv auswirken. In solchen Fällen kann eine professionelle Ernährungsberatung helfen, die Ernährung optimal zu gestalten und Energie- und Nährstoffmängel vorzubeugen.
Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt und unter Einbeziehung von Expert:innen erstellt. Er kann einen Überblick bieten, ist jedoch nicht geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Dorota Lazarski
Ökotrophologin (B. Sc., M. A. E-Health) und zertifizierte Ernährungsberaterin (VDOE, E-Zert). Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Prävention und Ernährungstherapie, begleitet Patient:innen während und nach einer Krebserkrankung und erstellt qualitätsgesicherte Inhalte für digitale Gesundheitsformate.
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